Der Jena-Hof
Holzer`sche Permakultur
im Naturpark Raab

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Bittere Ernte
 

Einleitung

 Ich hatte einen Traum, einen großen Traum von Harmonie und Frieden. Auf meinem Hof im Südburgenland sollte er Wirklichkeit werden. Viele Jahre hatte ich gesucht. Ich wollte für mich und meine Familie ein Refugium schaffen. Der Jena-Hof sollte der Ruhepol meines Lebens werden. Hier wollte ich alt werden. Hier sollte für alle Platz sein, für meine Kinder und Enkelkinder, meine Geschwister, meine Nichten und Neffen, meinen Mann, alle wollte ich um mich haben.

 Ich hatte einen Traum. Der Traum ist ausgeträumt. Ich schaue mich um auf dem Jena-Hof und sehe nur Zerstörung. Auf den ehemaligen Wiesen stehen kaputte Bäume, die Schweinekoppel ist leer, der Hang neben dem Haus rutscht ab.

 Ich hatte einen Traum. Und ich hatte zu viel Vertrauen. Vertrauen in einen Mann, der mich am Anfang ungemein fasziniert hat: Sepp Holzer, der „Agrar-Rebell“, der Permakultur-Bauer aus dem Lungau. Mit ihm wollte ich meinen Traum vom Paradies im Südburgenland verwirklichen. Doch es wurde daraus ein Alptraum.

Manchmal gehe ich den Weg hinter meinem Hof den Henndorfer Hügel hinauf zu unserem Sonnenplatz. Das Herz tut mir weh, wenn ich vorbei muss an kranken, toten und beschädigten Bäumen. Äpfel, Birnen Quitten, Kirschen, Nüsse, es hätte eine blühende Landschaft werden sollen. Heute gleicht es eher einer Mondlandschaft. Oben am Sonnenplatz steht noch eine wackelige Holzbank. Von dort hat man einen wunderbaren Ausblick. Man sieht die weite Ebene des Lafnitztals bis zur ungarischen Grenze und ins Wechselgebiet bis zum Schneeberg. Es ist, als ob einem die Welt zu Füßen liegt. „Die Schöpfung ist vollkommen. Die Natur hat recht, ist immer richtig; die Fehler machen nur wir Menschen:“, sagt Sepp Holzer.

Die sanfte, hügelige Landschaft des südlichen Burgenlands wirkt vollkommen. Wiesen, Felder, Wälder, über Jahrhunderte von fleißigen Bauern kultiviert und für das tägliche Leben genutzt, haben mich von Anfang an fasziniert. Aber ich wollte mehr, ich wollte Permakultur, genauer gesagt Holzer`sche Permakultur. „Fehler machen nur die Menschen“, wie richtig. Ich hätte nie auf den Krameterhof im Lungau fahren dürfen.



 
Auszug aus dem Buch
 

Kapitel:      Wer laut schreit muss nicht recht haben

Holzer ist vor allem ein guter Vermarkter seiner selbst. Heute muss ich mit Scham einsehen, dass ich Sepp Holzer wie einem Guru gefolgt bin. Er hat die Kraft eines Verführers, der mit Gefühlen, einfachen Rezepten und schönen Geschichten die Sehnsucht nach einer heilen Welt befriedigen kann. Menschen, die einem Sektenführer oder Demagogen auf den Leim gehen, erleben vielleicht Ähnliches.

Wer seine Vorträge hört, seine Bücher liest oder seine Führungen mitmacht, wird je nach Geschmack mehr oder weniger gut unterhalten. Solange es dabei bleibt, ist jeder selbst verantwortlich, der sein Geld für Holzer ausgibt. Ich bin sogar bereit zu glauben, dass wissenschaftliche Arbeiten zum Beispiel überdurchschnittlich viele Vogelarten auf dem Krameterhof fnden oder Holzer bewundern für seine Bodenaufbereitung bei der Neubesiedlung von Holzschlägen. Nur: Der Jena-Hof ist von Artenvielfalt und Mischkultur, von Pflanzensymbiosen und wechselseitigem Nutzen von Mensch und Tier weiter weg, als zu jenen Zeiten als er eine gemischte kleine südburgenländische Landwirtschaft gewesen ist. Die Ernüchtung nach dem "Holzer-Rausch" ist für mich äußerst schmerzhaft.           "Care for the people", Sorge um die Menschen, ist ein wichtiger Grundsatz von Permakultur. Davon redet auch Sepp Holzer gerne: "ein respektvoller Umgang mit unserer Welt und unseren Mitlebewesen - nicht Konkurrenzdenken, Neid und Gehässigkeit - ist der einzige richtige Weg!" Aber bei der Umsetzung dieses Satzes, lieber Sepp, hast du es leider nie zum Praktiker gebracht, da bist du der größte Theoretiker, den ich kenne.

Wenn ich gelegentlich auf meinem Sonnenplatz auf dem Henndorfer Hügel sitze, träume ich wieder vom Paradies. Vielleicht wird es hier wieder einmal so friedlich, so schön und so harmonisch wie es war, ehe Holzer mit seinen Baggern kam. Fast alle Bäume tragen noch immer keine Früchte. Ich weiß nicht, wovon ich in Zukunft leben werde. Mein Haus und meinen Hof werde ich wohl verkaufen müssen. Alles, was mir bleibt, ist eine bittere Ernte.

 



 
 

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update: 2012-06-22 17:46:57