Von Juliane Löwen
Was macht eine Frau, deren Traum vom autonomen Leben auf dem Land zum Alptraum wurde? Sie schreibt ein Buch. Nicht um sich selbst in den Vordergrund zu rücken, sondern um eine Facette zum Bild eines Mannes hinzuzufügen, der sich dank Medientauglichkeit und unerschütterlicher Selbstüberzeugung als pionierhafter Agrarheld und brillierender Exot zu präsentieren versteht. Die Rede ist von Sepp Holzer, der mit seiner Idee von der Holzer´schen Permakultur seit Jahren durch die Lande zieht und mittlerweile einen wohl nicht unerheblichen Teil seines Einkommens aus seinen Büchern und Vorträgen zieht. Es bleibe dahingestellt, inwiefern seine fragwürdigen "Permakultur"-Projekte den nötigen Durchschlag für Holzers Bekanntheitsgrad gegeben haben; die begriffliche Zuschreibung durch einen kooperierenden Professor jedenfalls erfolgte erst nachträglich. Man gebe einer kleinen Sache einen großen Namen und - voilà! - die Sensation ist geboren.
Auch Gertrud Barrada ließ sich von Holzers Enthusiasmus anstecken. Ein Fehler, wie sie heute bekennt. Sicher: ihre Vorwürfe gegenüber Holzer sind emotional eng verbunden mit den enttäuschten Erwartungen einer Frau, die den Willen und Mut hatte, sich zu engagieren. Doch wer meint, ihr kürzlich erschienenes Buch "Bittere Ernte" sei ein bloßer persönlicher Racheakt, übersieht, dass es Angenehmeres gibt, als das damit verbundene, öffentliche Bekenntnis des eigenen Fehlers. Es wird Leute geben, die Barradas ursprüngliches Vertrauen auf Holzers Kompetenz als Naivität belächeln. Unbestritten ist jedoch: Ihr Buch ist nicht gleichzusetzen mit der Diffamierung der Person Holzer oder gar ein Fingerzeig auf den vermeintlichen "Sündenbock". Es beschreibt den unfreiwilligen Transformationsprozess einer Frau, die mit den Konsequenzen ihrer eigenen Entscheidungen und einer für sie finanziell desaströsen Begegnung fertig werden muss, und zeigt, dass es selbst in verfahrenen Situationen immer Handlungsmöglichkeiten gibt - wenn man (oder frau) ein starkes Rückgrat hat!
"Wir teilen die im Vortrag auch klar ausgedrückte Meinung von Sepp Holzer, dass es am sinnvollsten ist, mit der Natur zu arbeiten. Dass Herr Holzer - immer in starkem österreichischen Dialekt - sehr viel aus seiner Kindheit erzählt hat und nicht zum Punkt gekommen ist, empfanden wir dagegen als störend. Viele seiner Methoden hat Herr Holzer nicht konkret erläutert, auf einige Fragen ging er nicht im Sinne des Fragenstellers ein. Schade auch, dass zunächst ein langer Film über den Krameterhof gezeigt wurde, der bereits im Fernsehen zu sehen war. Von einem Vortragsabend erwarten wir vor allem Information direkt vom Referenten. Positiv anzumerken ist, dass wir durchaus auch wertvolle Tipps mitnehmen konnten und einen starken Eindruck von einer unkonventionellen Methode der Landbewirtschaftung bekamen." Der Arbeitskreis ÖkoLand- und Gartenbau Weihenstephan zum Vortrag von Sepp Holzer am 27.10. in Freising-Weihenstephan.
Juliane Löwen: Frau Barrada, in Ihrem Buch "Bittere Ernte", das vor kurzem veröffentlicht wurde, schildern Sie Ihre ganz persönlichen und - wie der Titel schon sagt nicht gerade angenehmen - Erfahrungen mit Sepp Holzer. In Kürze: Wie kamen Sie ursprünglich dazu, sich für die Holzer´schen Aktivitäten zu interessieren und einzusetzen?
Gertrud Barrada: Mein Ausflug 1997 auf den Krameterhof hat mich dazu bewogen, vor allem auch das, wovon Holzer redete: "freie Instinkte nicht verlieren", "Das Paradies ist vollkommen, wenn Mensch und Natur in Eintracht leben.", "miteinander, nicht gegeneinander", "im Kreislauf der Natur leben" und so weiter…. Auch die vielen positiven Berichte über ihn in den Medien und diverse Aussagen von Herrn Prof. Lötsch waren ausschlaggebend.
Juliane Löwen: Wie sah Ihre Zusammenarbeit konkret aus?
Gertrud Barrada: Im Herbst 2001 bat ich Holzer, sich meinen Hof anzusehen, um seine Holzer´sche Permakultur anzulegen. Im März 2002 begann er mit den Arbeiten. Wenige Wochen danach regte er den Plan an, gemeinsam ein Naturerlebnis- und Kinderbauernland aufzubauen. Dazu erwarb er ein vier Hektar umfassendes Nachbargrundstück.
Juliane Löwen:Wie ging es weiter? Wie kam es zu Ihrer "Rebellion gegen den Agrarrebellen"?
Gertrud Barrada: Holzer hielt sich nicht an unsere anfänglichen Abmachungen, hielt zum Beispiel den Plan, gemeinsam Führungen am Jena-Hof (der Hof von Getrud Barrada, Anm. d. Red.) abzuhalten, nicht ein. Der Standfestigkeitsnachweis für den Teichdamm konnte aufgrund von bereits aufgetretenen Rissen und Rutschungen nicht erbracht werden. Die Anzahl der Pflanze war falsch berechnet. Bäume von schlechtester Qualität wurden geliefert. Um nur einiges zu nennen….
Juliane Löwen: Gibt es etwas, das man von Holzer lernen kann? Gertrud Barrada: Von Holzer lernen kann man Vermarktung und Selbstdarstellung und wie man mit schönen Geschichten die Sehnsucht der Menschen nach einer heilen Welt ansprechen kann, um damit viel Geld zu verdienen.
Juliane Löwen: Trotz Kritik hat Sepp Holzer weltweit eine große Fangemeinde, nicht zuletzt durch sein reges öffentliches Auftreten und seine Bücher. Was sagen Sie den Fans von Holzer?
Gertrud Barrada: Ich weiß, dass es viele Holzer-Fans gibt: Menschen mit Idealen und Träumen, Menschen, die nach Alternativen suchen. Aber interessanterweise kaum Bauern. Für viele der anfänglich Begeisterten gab es bereits ein böses Erwachen. Ich möchte den Holzer-Fans raten, sich genau zu informieren, zu hinterfragen, sich vor allem in seiner Gemeinde umzuhören, sich die angeblichen "vielen Projekte im In- und Ausland" persönlich anzusehen und ihm nicht alles blind zu glauben - so wie ich, leider…
Juliane Löwen: Wie geht es bei Ihnen persönlich nun weiter? Gertrud Barrada: Ich weiß nicht so richtig, wie es bei mir weitergehen kann. Mein Grund und Boden ist ruiniert, meine Schadensersatzklage läuft, mein Vermögen ist verbraucht. Der Rückbau eines großen Teiles meiner Liegenschaft wurde mir vorgeschrieben. Ich werde wohl verkaufen müssen.
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